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Positive Power

Suse Sziborra-Seidlitz führt als grüne Spitzenkandidatin den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt mit Offenheit, viel Sinn für Gerechtigkeit und klaren Worten. Keine leichte Aufgabe in einem Bundesland, in dem die AfD laut Umfragen die absolute Mehrheit erreichen könnte. In der heißen Phase des Wahlkampfs hat sie kaum eine ruhige Minute. Sie kämpft mit allen Kräften für ein Sachsen-Anhalt, in dem alle gut leben können und das den Mut findet, sich auf den Weg in eine gute Zukunft zu machen.

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Lesezeit: 4 Minuten

Quelle: Julia Steinigeweg

Suse Sziborra-Seidlitz kämpft als Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für ein mutiges, gerechtes und vielfältiges Sachsen-Anhalt. Ihre Herzensthemen als Krankenschwester und Absolventin des Studiengangs „Interprofessionelle Gesundheitversorgung“ sind – naturgemäß – Gesundheit und Pflege. 

Es ist brütend heiß im Glasbahnhof in Sassnitz. Selbst hier an der Ostsee, wo die Grünen an diesem Wochenende ihren zweiten Ostkongress abhalten, hat die Hitzewelle Ende Juni alles in ihrem lähmenden Griff. Keine Meeresbrise sorgt für Abkühlung, das Denken fällt schwer bei diesen Temperaturen. Doch Suse Sziborra-Seidlitz können auch 34 Grad im Schatten nicht stoppen. Mit ihrem Markenzeichen, der schwarzen Cateye-Brille, auf der Nase, tritt sie ans Rednerpult. Ihre von Tattoos bedeckten Arme unterstreichen gestenreich jedes Wort.
 
Sie spricht mit der Verve einer Poetry-Slammerin und mit viel Empathie für die Menschen in Sachsen-Anhalt. Zur Sprache kommen die Sorgen von Eileen, der Chemie-Facharbeiterin, oder die Zukunftsängste von Frank, dem Schreiner, aber auch der Ernst der Lage im großen Ganzen: „Es geht nicht nur darum, wie Sachsen-Anhalt regiert wird. Es geht darum, ob Sachsen-Anhalt regiert oder ob es beherrscht wird.“ Am Ende springt der ganze Saal auf und jubelt.
 
Suse Sziborra-Seidlitz sitzt seit November 2021 im Magdeburger Landtag. Jetzt führt sie die Grünen als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Es ist eine Wahl, bei der die Grünen eine Rolle von historischer Bedeutung spielen könnten. Schaffen sie die Fünf-Prozent-Hürde, wird eine absolute Mehrheit für die AfD unwahrscheinlicher, also für jene Partei, die in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.

Quelle: Elias Keilhauer

Raus aus der Bubble: Zusammen mit Felix Banaszak war Suse Ende Juni im Wohnmobil unterwegs. Bei Eis und Bier haben sie mit Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen Auffasung ins Gespräch gekommen.

Die Stimmen für den Wiedereinzug in den Landtag will Suse Sziborra-Seidlitz im direkten Kontakt mit den Menschen gewinnen. „Raus aus der Bubble“, lautet die Devise für den Wahlkampf-Endspurt. „Wir wollen in Freibäder gehen, auf Festivals, in Kleingartensiedlungen“, sagt Suse. Noch ist nichts verloren, da ist sie sich sicher. Auf dem Weg nach Sassnitz hat sie zusammen mit Felix Banaszak auf Campingplätzen in der Altmark Halt gemacht. Sie verteilten Eis und Getränke, am Abend wurde gegrillt. Es kamen mehr Leute als sie erwartet hatten – aus allen politischen Lagern. Suse Sziborra-Seidlitz fallen Gespräche leicht, Widerspruch kann sie aushalten. „Wir haben sicher nicht bewirkt, dass jetzt alle grün wählen. Aber wenn die Menschen zumindest anfangen nachzudenken und sich dann doch zumindest für eine demokratische Partei entscheiden, hilft das auch.“ Für die 48-Jährige steht nicht ihr politisches Mandat im Vordergrund, sondern die freiheitlich verfasste Demokratie an sich, die durch die AfD bedroht ist.

Politik war immer Teil von Suses Leben. Ihr Elternhaus bezeichnet sie als „musikalisch und politisch“. Als Jugendliche erlebte sie die Wende und den politischen Umbruch der 1990er-Jahre, an ihrem 18. Geburtstag wurde sie auf einer offenen Liste für die PDS in die Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Köpenick gewählt. Eine Legislaturperiode engagierte sie sich dort, war jedoch schnell frustriert von dem Gefühl, nicht viel bewegen zu können. Als „langweilig und doof“, beschreibt sie die Zeit heute.

In die aktive Politik kehrte sie erst nach einem großen Umbruch in ihrem Leben zurück: 2008 zog Suse von Berlin nach Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. 23.000 statt dreieinhalb Millionen Einwohner*innen, Fachwerk-Idyll statt Kotze am Kotti. Dabei war die gebürtige Ostberlinerin noch wenige Jahre zuvor überzeugt, dass sie nie woanders als in ihrer Heimatstadt leben würde. Doch mit Familie, einem Mann und damals zwei Kindern, erschien ihr das Leben in Prenzlauer Berg vor allem anstrengend.

Quelle: LianeM/Adobe Stock

Suse Sziborra-Seidlitz hat sich lange Zeit nicht vorstellen können, jemals aus Ostberlin wegzuziehen. Heute ist sie in Quedlinburg glücklich, wo sie mit ihrer Familie lebt und auch zurück in die aktive Politik fand.

Sie wagte den Umzug in die Heimatstadt ihres Mannes und kam schnell an. Heute ist sie leidenschaftliche Quedlinburgerin. Sie schwärmt von der Schönheit der Stadt und dem vielfältigen Kulturangebot: Theater, Programmkino, Kulturzentrum, Bars und Kneipen. Suse mag das volle Programm.

In diesem überschaubaren Umfeld bekam sie das Gefühl, auch politisch etwas bewegen zu können, „um die Stadt noch viel toller zu machen, als sie eh schon ist“, wie sie sagt. Im Umfeld der Linken, aus dem sie ursprünglich kommt, störte sie ein „unkritischer Umgang mit dem, was die DDR war“, der ihr dort immer wieder begegnete. Mit damals zwei Kindern sah sie Gerechtigkeit nicht mehr nur als eine Frage des Hier und Jetzt, sondern auch als Zukunftsfrage. „Die Grünen sind die einzige Partei, die sich auch um unsere Kinder und Enkel kümmert“, sagt sie. Suse wurde Mitglied bei den Grünen, ging in die Kommunalpolitik und wurde bald Stadträtin und Kreisvorsitzende der Partei.

„Als ich Kinder bekam, wurde mir klar, dass Gerechtigkeit nicht nur eine Frage des Hier und Jetzt ist, sondern auch der Zukunft. Die Grünen sind für mich die einzige Partei, die sich auch um unsere Kinder und Enkel kümmert.“

Ihr Engagement in Stadtrat und Kreistag kombinierte Suse zu Beginn noch mit einer 40-Stunden-Woche im Krankenhaus. Doch als sie 2021 einen Sitz im Landtag gewann, ließ sie schweren Herzens ihr Anstellungsverhältnis als Pflegefachkraft im Harzklinikum ruhen. Ein Job, den sie liebt und in dem sie ihre Tatkraft voll zum Einsatz bringen konnte. Apropos: Parallel zur Arbeit in der Politik brachte sie die Energie für ein Bachelorstudium auf. Im Herbst 2025 machte sie ihren Abschluss in „Interprofessioneller Gesundheitsversorgung“. Dass Pflege und eine sichere Gesundheitsversorgung ihre politischen Herzensthemen sind, ist da nur folgerichtig.

Wenn sie eine „mutigere Umsetzung“ der Krankenhausreform in Sachsen-Anhalt fordert, weiß sie, wovon sie redet. Auch neue, unkonventionelle Ideen begeistern sie: Für ihre Bachelorarbeit beschäftigte sie sich mit dem Konzept der „Community Health Nurse“. Das niedrigschwellige Konzept vereint Elemente aus Sozialarbeit, Pflege, Vorsorge und Versorgung und ist genau nach Suses Geschmack: nah bei den Leuten, pragmatisch, lösungsorientiert und über den Tellerrand hinweg gedacht. Im brandenburgischen Luckau gibt es eine solche Gemeindegesundheitspfleger*in schon. Und wenn es nach Suse geht, bald auch in Sachsen-Anhalt. 

Quelle: Elias Keilhauer

Es geht um alles: Im Wahlkampf will Suse mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen und gemeinsam diskutieren, was eine freiheitlich verfasste Demokratie wert ist.

Suse hat, so sagt sie selbst, einen starken Sinn für Gerechtigkeit. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig soziale Fairness für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. Deshalb stehen gerechte Bildungschancen für alle Kinder, mehr Gleichberechtigung, der Schutz von Freiheit, Vielfalt und mehr Beteiligungsmöglichkeiten für alle Bürger*innen – in Bürgerräten zum Beispiel – oben auf ihrer Prioritätenliste. Unermüdlich wirbt sie auch für konsequenten Klimaschutz, damit die Menschen von den günstigen erneuerbaren Energien profitieren können. „Unser Wahlprogramm ist ein politischer Vollsortimenter“, sagt sie lachend.



Obwohl Suse ein gut gelaunter Mensch ist, will sie nicht verschweigen, dass die Arbeit in der Politik auch belastend sein kann. Gerade jetzt im Wahlkampf bleibt kaum Zeit für Privates. „Meine Familie ist sehr bemüht, das zu ertragen, aber es macht zunehmend Schwierigkeiten“, sagt Suse. Trotz allem steht die Familie hinter der politischen Arbeit. Und das, obwohl sie als grüne Frau in Sachsen-Anhalt größere Herausforderungen zu bewältigen hat, als nur einen vollen Terminkalender. Suse Sziborra-Seidlitz und auch ihre Kinder erleben immer wieder massive Anfeindungen. Selbst ihre jüngste Tochter in der siebten Klasse hat schon lange damit zu kämpfen. Es sei eine Sache, für sich selbst zu entscheiden und die Konsequenzen dann auszuhalten. „Aber ich entscheide immer auch für meine Kinder. Das sind schon die Momente, in denen ich mir überlege, ob es das wert ist.“

Doch für Suse ist Aufgeben keine Option. „Das würde bedeuten, den Faschos das Feld zu überlassen“, sagt sie. Suse Sziborra-Seidlitz ist eine, die Verantwortung übernimmt und trotz allem nicht ihre Zuversicht verliert. „Ich will das nicht“, ruft sie auch in Sassnitz mehrmals in den Saal, als sie auf die Gefahr zu sprechen kommt, dass Sachsen-Anhalt in die Hände der AfD fallen könnte. „Ich will mir das nicht einmal vorstellen!“ Deswegen kämpft sie für das Land, das sie liebt, seine Leute und für eine Zukunft in Freiheit.

Mit Herz und Haltung für Sachsen-Anhalt 

Unsere Ideen für ein lebenswertes und gerechtes Sachsen-Anhalt mit einer klaren Haltung zu Demokratie, Freiheit und Vielfalt findest du hier.

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