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Voll im Saft

Jedes Jahr im Herbst organisieren die Grünen des Ortsverbands Möhrendorf eine mobile Saftpresse zur Apfelernte in den Gärten der Umgebung. 45.000 Liter naturbelassenen Apfelsaft haben sie so über die vergangenen Jahre produziert – und nebenbei Gemeinsinn gestiftet und ein Vorzeigebeispiel für lebenspraktische Nachhaltigkeit geschaffen.

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Lesezeit: 3,5 Minuten

Quelle: Mara Zemgaliete/Adobe Stock

Warum die eigene Apfelernte verrotten lassen, wenn man auch daraus unkompliziert guten Apfelsaft und gleichzeitig nachbarschaftlichen Gemeinsinn stiften kann?

 

In einem Glas Apfelsaft steckt viel Gutes: Vitamine und Calcium, Eisen, Magnesium, Kalium und Zink. In manchen Fällen aber auch Nachhaltigkeit, Gemeinsinn und die Vermeidung von klimaschädlichen Emissionen. Wie diese Zutaten in den Saft kommen, zeigt der Grünen-Ortsverband in Möhrendorf im fränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt jedes Jahr im Herbst.

Am Anfang stand wie so oft eine gute Idee – geboren aus eigener Erfahrung. Viele Jahre kurvte Karin Kreiner, die Sprecherin des Ortsverbands, mit 200 Kilo oder mehr Äpfeln von den eigenen Bäumen ins knapp 20 Kilometer entfernte Kalchreuth, um sie dort zu Saft pressen zu lassen. Ein mühsamer Weg, der Benzin und Zeit kostete und manchen in Möhrendorf so aufwendig erschien, dass sie einen Teile ihrer Ernte verrotten ließen. Das brachte Karin Kreiner auf eine Idee: Warum nicht direkt vor Ort eine Saftpress-Aktion starten und damit Gartenbesitzer*innen in Möhrendorf und Umgebung ansprechen?

Quelle: privat

Karin Kreiner, Sprecherin des Ortsverbands Möhrendorf, organisiert seit 15 Jahren im Herbst eine mobile Apfelpresse für ihr Dorf und Umgebung.

Gefragt, getan. Seit 2011 geht es nun jedes Jahr zur Zeit der Apfelernte für einen halben Tag rund auf dem Bauhof von Möhrendorf. Dann öffnet die vom grünen Ortsverband organisierte und von den Profis der nächstgelegenen Mosterei betriebene mobile Saftpresse dort ihren Anhänger mit Förderband, Waschtrog, Presse und Abfüllstutzen. Rund 1.000 Kilo Äpfel können dort pro Stunde gewaschen, von Stielen, Blütenansätzen und Kernen getrennt und ausgepresst werden. Um die Haltbarkeit zu verlängern, wird der gewonnene Saft anschließend auf 80 Grad erhitzt und dann in 3,5- oder 10-Liter-Beutel abgefüllt. Der anfallende Trester wandert unter anderem in die örtliche Biogasanlage. Während der Wartezeit – pro Anlieferung je nach Menge etwa eine Viertel- bis halbe Stunde – bleibt Zeit für einen Plausch am Stand der örtlichen Grünen, wo die Nachbarschaft bei Getränken und Snacks ins Gespräch kommt.

Von Anfang an war die Aktion ein voller Erfolg. Das liegt auch daran, dass die Gartenbesitzer*innen dort den Saft aus ihren eigenen Äpfeln erhalten. Das ist längst nicht immer der Fall: „Bei vielen Mostereien werden die Äpfel nur gewogen, und man erhält eine dem Gewicht entsprechende Menge Saft aus dem Bestand“, weiß Karin Kreiner. „Das ist aber meist mit Einbußen bei der Qualität verbunden – weil sich dann die wenigsten die Mühe machen, schadhafte oder faulige Früchte sorgfältig auszulesen.“

Die Bilanz der grünen Apfelpress-Aktion lässt sich nicht nur in 70 Tonnen Äpfeln messen, die in den vergangenen 15 Jahren zu insgesamt 45.000 Litern Apfelsaft gepresst wurden. Für Karin Kreiner und ihre Mitstreiter*innen im Ortsverband ist sie auch ein Symbol dafür, wie sich die grünen Kerngedanken Bürgernähe, Gemeinsinn und Nachhaltigkeit praktisch umsetzen lassen. Längst ist die jährliche Saftaktion, die in diesem Jahr am 8. Oktober stattfindet, eine feste Größe im regionalen Terminkalender.

Quelle: privat

Nachhaltig bis zum guten Rest: Der Trester der gepressten Äpfel wird unter anderem in der Biogasanlage in neue Energie umgewandelt.

Organisatorin Karin Kreiner teilt gerne ihren mittlerweile reichen Erfahrungsschatz. „Wichtig ist, als Standort für die mobile Presse einen Ort zu wählen, der eine Zu- und eine Abfahrt hat, wie bei uns der örtliche Bauhof“, empfiehlt Karin Kreiner. „Dann können die Leute beim Ankommen ihre Äpfel abladen, weiterfahren und am anderen Ende der Presse ihren Saft in Empfang nehmen.“ Wegen des großen Andrangs arbeitet die Ortsverbands-Sprecherin längst mit Voranmeldung und zugeteilten Zeitslots. Nur wenn die Presse kontinuierlich ausgelastet ist, können deren Betreiber*innen den günstigen Preis von etwa 60 bis 80 Cent pro Liter Saft für Möhrendorf und Umgebung anbieten. Für die Wartenden ist die Situation entzerrt und entspannt, und sie haben Zeit, beim Infostand vorbeizuschauen, auch wenn es dort weniger um politische Diskussionen, als vielmehr um Kontaktpflege und Austausch innerhalb der Nachbarschaft geht.

Mittlerweile profitieren von der Aktion sogar Möhrendorfer*innen, die selbst keine Äpfel im Garten haben: Apfelspenden, vor allem von Gartenbesitzer*innen, für deren Apfelernte sich das Pressen allein nicht lohnen würde, werden gesammelt und gehen dann als flüssige Spende an den örtlichen Kindergarten.

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