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Pestizide auf Dauer und ohne TÜV?

Weniger Bürokratie klingt gut – doch was, wenn dabei der Schutz von Mensch, Tier und Umwelt auf der Strecke bleibt? Mit dem „Food and Feed Safety Omnibus“ drohen weitreichende Änderungen bei der Pestizidzulassung. Warum regelmäßige Kontrollen unverzichtbar sind und welche Folgen die Pläne haben könnten.

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Lesezeit: 2 Minuten

Zunächst klingt es harmlos: Die EU will ihre Regeln vereinfachen. Weniger Bürokratie, weniger Papierkram, schnellere Verfahren. Wer sollte etwas dagegen haben?

Doch beim sogenannten „Food and Feed Safety Omnibus“ geht es um viel mehr als nur um weniger Formulare. Es geht um die Frage, wie gut Menschen, Tiere und Umwelt in Europa künftig vor Pestiziden geschützt werden. Und hier wird es ernst, denn die Kommission plant hier einen gewaltigen Rückschritt von der Vorreiterrolle der EU beim Umwelt- und Verbraucherschutz.

Es kommt sogar noch schlimmer: Die konservativen Berichterstatter im EU-Parlament Herbert Dorfmann und Michele Picaro wollen die Vorschläge der EU-Kommission nicht etwa wieder stärker am Vorsorgeprinzip und am Verbraucherschutz ausrichten. Ihre Änderungsanträge gehen an wichtigen Stellen sogar noch weiter. Sie wollen Zulassungen für viele Pestizide praktisch auf Dauer ermöglichen und die regelmäßige Überprüfung gefährlicher Wirkstoffe weiter zurückdrängen. Noch schlimmer wird es, wenn wir uns anschauen, was sie zusätzlich vorschlagen. Sie wollen die Möglichkeiten der Mitgliedstaaten beschneiden, selbst tätig zu werden. Außerdem sollen Ausnahmen für problematische Wirkstoffe erleichtert werden. Damit würde das europäische Vorsorgeprinzip weiter ausgehöhlt.

Das muss man sich einmal im Alltag vorstellen.

Angenommen also, ein Auto bekommt heute seine Zulassung. Erst später zeigen neue Tests, dass bestimmte Teile schneller verschleißen als gedacht. Das Fahrzeug ist also zugelassen, aber nicht dauerhaft sicher. Deshalb wird es regelmäßig vom TÜV geprüft. Und wenn es nicht mehr sicher ist, darf es nicht mehr auf die Straße. Genau darum geht es: Eine einmalige Zulassung reicht nicht, wenn neue Erkenntnisse zeigen, dass etwas dauerhaft überprüft werden muss.

Genau deshalb werden Pestizid-Wirkstoffe in der EU bisher grundsätzlich nur für einen begrenzten Zeitraum zugelassen. Danach muss erneut geprüft werden, ob sie nach dem heutigen Stand der Wissenschaft noch vertretbar sind. Das ist keine unnötige Bürokratie. Es ist eine Sicherheitskontrolle!

Seit 2011 sind mehr als 50 Pestizid-Wirkstoffe bei der Wiederzulassung durchgefallen – das zeigt eine Analyse aus Deutschland. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse können Risiken sichtbar machen, die bei der ursprünglichen Zulassung noch nicht bekannt waren.

Mehr als 500 Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen haben im September 2026 ausdrücklich vor einem gefährlichen Rückschritt bei der europäischen Pestizidregulierung gewarnt.

Mehr als 500 Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen haben im September 2026 ausdrücklich vor einem gefährlichen Rückschritt bei der europäischen Pestizidregulierung gewarnt.

Wenn ein Pestizid Böden, Gewässer, Insekten oder die menschliche Gesundheit gefährden kann, dann ist die richtige Antwort nicht: „Dann prüfen wir es eben seltener.“

Die richtige Antwort lautet: Wir müssen genauer hinschauen.

Europa sollte bei der Lebensmittelsicherheit nicht in die Vergangenheit zurückgehen. Wir brauchen eine Landwirtschaft, die wirtschaftlich funktioniert und gleichzeitig unsere Gesundheit und unsere natürlichen Lebensgrundlagen schützt.

Verbraucherschutz darf nicht als Bürokratieproblem behandelt werden. Er ist eine politische Verantwortung und eine Grundlage der EU-Verträge.

Hier könnt ihr das Briefing herunterladen.

 

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