Alle mal zusammen rücken!
Ob Familientreffen, Sportvereinsfest oder EU-Gipfel – ein Gruppenfoto gehört dazu. Warum eigentlich? Weil Fotografie Gemeinschaft sichtbar machen und Zugehörigkeit lebendig halten kann. Doch die Bilder verraten oft noch viel mehr: über Machtverhältnisse und Hierarchien, über Regeln und Normen, über Inklusion und Ausschluss. Eine beeindruckende Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast widmet sich dem Thema Fotografie und Gemeinschaft.
- Redaktion
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Wir alle kennen das Ritual. Man trommelt alle herbei, rückt zusammen und sucht seine Position in der Gruppe. Die großen Fragen dabei: Wer steht wo? Wer in der Mitte, wer am Rand? Und: Wer fehlt im Bild? Das Gruppenfoto ist ein Medium, das abstrakten Werten wie Zugehörigkeit, Zusammenhalt und Verbundenheit Gestalt verleiht. Insofern ist Gruppenfotografie „eines der prägendsten sozialen Medien überhaupt, lange bevor es Social Media gab“, sagt Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalastes in Düsseldorf. „Sie stiftet Nähe, schafft Identität und zeigt zugleich, wie fragil Zugehörigkeit sein kann.“
Die Ausstellung „Community – Fotografie und Gemeinschaft“ im Kunstpalast (zu sehen bis 25. Mai 2026) zeigt rund 270 Werke: von Gruppenporträts des 19. Jahrhunderts bis hin zu digitalen Bildwelten der Gegenwart. Angewandte Fotografie ist ebenso Teil der Schau wie Fotokunst.
„Community“ beleuchtet dabei nicht nur die positiven, sondern auch die ambivalenteren und dunkleren Seiten von Gemeinschaft. Die Ausstellung zeigt, dass Gemeinschaften nicht nur Einschluss, sondern immer auch Ausschluss bedeuten, weil stets die Frage mitschwingt: „Wer gehört dazu – und wer nicht?“ Und sie thematisiert, wie Gemeinschaft mit dem Zwang zur Anpassung oder gar totalitärer Gleichschaltung einhergehen kann.
Ein kleiner Einblick in die Schau „Community – Fotografie und Gemeinschaft“:
Zusammen stark: Der US-Fotograf Neal Slavin fotografierte 1974 die Männer der „Capitol Wrestling Corporation“. Fasziniert von Gruppendynamiken ließ er sie selbst das Bild arrangieren, um Hierarchien sichtbar zu machen.
Quelle: Neal Slavin
Neuland: Die Serie „Three People on the Phone“ entstand 2004 in Tokio, als Mobiltelefone noch vergleichsweise neu waren. Viktoria Binschtok hielt den Moment fest, in dem drei Menschen gleichzeitig ihr Handy benutzten. Die Fotografien zeigen, wie eine neue Form des Zusammenseins Einzug hält, die heute allgegenwärtig ist.
Quelle: Viktoria Binschtok
Akkurate Fröhlichkeit: Gruppenbilder gibt es, seit es Fotografie gibt. Was heute das spontane Group Selfie ist, war um 1900 die streng komponierte Studioaufnahme.
Quelle: LVR ZMB – Joshua Esthers
Dorf im Wandel: Gemeinschaft in der Langzeitbeobachtung: Drei Fotograf*innen aus zwei Generationen einer Familie widmeten sich der Entwicklung des Dorfes Berka in Thüringen über einen Zeitraum von 70 Jahren. Die Bilder zeigen, wie sich Rituale, Begegnungsorte und das Miteinander verändern.
Quelle: Ludwig Schirmer
Mittendrin statt außen vor: Omar Victor Diop unterwandert die visuelle Einheitlichkeit weißer Mittelschicht-Gruppenfotos aus den 1960er-Jahren, indem er sich selbst – als schwarzer Künstler aus dem Senegal – in diese hineinmontiert.
Quelle: Omar Vicor & Lee Shulman
Gleichgeschaltet: Wenn Gesichter verschwimmen und individuelle Merkmale verschwinden, kann das sowohl Gleichheit versprechen als auch Zwang zur Anpassung bedeuten. Dieses Bild entstand 1936 bei den Dreharbeiten zu Leni Riefenstahls Film „Olympia“. Eine bildgewordene Vision nationalsozialistischer Weltanschauung.
Quelle: Nuri Musluoğlu
Utopischer Rückblick: Die brasilianische Künstlerin Mayara Ferrão nutzt künstliche Intelligenz, um sichtbar zu machen, was lange unsichtbar blieb. Sie inszeniert queere Paare in historischen Bildkontexten.
Quelle: Mayara Ferrão
Dicht gedrängt: Beim Fußball wird Gemeinschaft zum Massenphänomen – faszinierend und beklemmend zugleich. Dolf Siebert fotografierte die Männermassen bei einem Spiel von Fortuna Düsseldorf im Jahr 1949.
Quelle: Dolf Siebert
Gegen die Leerstelle: Für das Projekt „Black Archive Germany“ sammelt die Künstlerin Cate Lartey fotografische Erinnerungen afrikanischer Communitys in Deutschland. Die Bilder aus den 1970er- bis 2000er-Jahren führen einen Mangel vor Augen: die geringe Präsenz Schwarzer Communitys im kulturellen Gedächtnis Deutschlands.
Quelle: Cate Lartey
Bestens vernetzt: Nie zuvor waren Menschen auf so komplexe Weise miteinander verbunden wie in der digitalen Gegenwart. Algorithmen beeinflussen unsere Verbindungen und erfassen unsere sozialen Geflechte oft besser, als wir selbst das können. Die Videoinstallation „Social Geometry“ stammt von Clemens von Wedemeyer.
Quelle: Clemens von Wedemeyer
Die Fotoausstellung „Community – Fotografie und Gemeinschaft“ ist noch bis zum 25. Mai 2026 im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen. Infos und Tickets gibt es auf www.kunstpalast.de
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