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Daheim bei Freunden

Mehr als 60 grüne Partnerschaften zwischen grünen Kreisverbänden gibt es bundesweit – eine der ersten schlossen Grüne aus dem Saalekreis in Sachsen-Anhalt und dem Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein. Was der parteiinterne Austausch bringt und warum es gerade in diesem Wahlkampfjahr so guttut, sich gegenseitig zu unterstützen, erzählen zwei grüne Politikerinnen aus Ost und West. 

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Lesezeit: 3,5 Minuten

Quelle: privat

Zusammenkommen und zusammenwachsen: Zum Tag der Deutschen Einheit pflanzen die Kreisverbände Pinneberg und Saalekreis jedes Jahr gemeinsam einen Baum.

Einmal im Jahr buddeln sie ein Loch und pflanzen gemeinsam einen Baum, die grünen Mitglieder aus dem Saalekreis in Sachsen-Anhalt und aus dem Kreisverband Pinneberg in Schleswig-Holstein. „Einheitsbuddeln“ nennen sie ihre Aktion. Symbolträchtig und feierlich ist die Aktion eigentlich immer, da darf der Name ruhig ein bisschen flapsiger sein. 

Seit vier Jahren sind die beiden Kreisverbände verpartnert. Die Vorstände tauschen sich regelmäßig per Videokonferenz aus und es gibt gemeinsame Chatgruppen. Am wichtigsten jedoch sind die persönlichen Begegnungen. Mindestens zweimal im Jahr fahren Unterstützer*innnen in den jeweiligen Partnerkreis, um Erfahrungen auszutauschen, sich Mut zu machen und sich gegenseitig unter die Arme zu greifen. Meist sind es bis zu zwölf Mitglieder, die sich auf die Reise machen. „Bei uns ist das eine ganz gemischte Gruppe“, sagt Susanne Otto, Vorsitzende des KV Saalekreis.

Der Besuch hat einen Zweck. Man hilft einander beim Flyer-Verteilen, Plakate-Aufhängen und am Info-Stand, trifft sich zum Erfahrungsaustausch und Diskutieren. Oder wie gerade, um Präsenz zu zeigen beim Christopher Street Day in Merseburg. Aber natürlich, erzählt Susanne Otto, beschränkt sich das parteiinterne Austauschprogramm nicht nur auf Politik. Schließlich wolle man den Leuten aus dem Partnerverband auch das Land zeigen und – wenn Zeit ist – zusammen ein paar Sehenswürdigkeiten besuchen. Und selbstverständlich gehört es zu einer guten Partnerschaft, gemeinsam zu essen und zu trinken. „Sprich, das Ganze soll auch einfach Spaß machen“. 

Trotzdem ist der Hintergrund der Ost-West-Partnerschaften ein ernster. Die meisten der mehr als 60 deutschlandweit existierenden KV-Partnerschaften sind zustande gekommen, weil die Bedrohung von Rechts immer konkreter wurde und die Umfrageergebnisse der AfD vor den Wahlen immer größeres Entsetzen unter den grünen Mitgliedern auslösten. Aber es machte sich eben nicht nur Angst breit, sondern auch die Bereitschaft, sich zu engagieren. Und das nicht nur am eigenen Wohnort, sondern auch in rechten Hochburgen oder Gegenden, in denen die Grünen nur wenige Mitglieder haben. KV-Partnerschaften sind dafür genau der richtige Rahmen.

Quelle: privat

Von Kreis zu Kreis: Nadine Mai (links), Kreistagsabgeordnete in Pinneberg, und Susanne Otto (rechts), Vorständin des Kreisverbands Saalekreis in Sachsen-Anhalt, schlossen vor vier Jahren eine der ersten KV-Partnerschaften.

„Je stärker die AfD wurde, desto größer war der Drang, uns zu engagieren“, erzählt Nadine Mai, die mit ihrer Familie in Wedel in Kreis Pinneberg lebt, aber „selbst eigentlich Ossi ist.“ In ihre alte Heimat, nach Bad Dürrenberg im Saalekreis, kehrt die grüne Kreistagsabgeordnete immer gerne zurück. „Ich mag meine Gegend, bin damals aber aus beruflichen Gründen weggezogen“, erzählt sie. 

Den Kontakt zu ihrer Familie hat die Kulturwissenschaftlerin immer gepflegt, auch als Teile der Familie und deren Freunde immer stärker nach rechts abdrifteten. Als wieder einmal ein Bekannter der Familie beim Bier polterte, dass man alle Politiker erschießen solle, habe sie laut und in Anwesenheit ihrer Kinder gesagt: „Weißt du eigentlich, dass ich auch Politikerin bin?“ Daraufhin herrschte Stille, weil es in den Köpfen zu rattern begann. Für Nadine Mai war das Erlebnis ein Schlüsselmoment. Es machte ihr klar, wie wirksam Widerspruch sein kann.

Nadines Kreisverband gehörte zu den ersten, die in den neuen Bundesländern aktiv wurden. Seit 2023 fahren jetzt regelmäßig Grüne aus dem Kreis Pinneberg nach Sachsen-Anhalt. Genauso oft kommen Mitglieder aus dem Saalekreis in die Region nordwestlich von Hamburg. Fünf Stunden sind sie unterwegs. „Mit dem Zug oft auch noch ein bisschen länger“, sagt Susanne Otto, „nebenan ist es jedenfalls nicht gerade“. 

Damit trotzdem jede und jeder möglichst sorgenfrei auf Reisen gehen kann, hilft der Kreisverband. Für junge Mitglieder, die nicht über das nötige Kleingeld für so eine Reise verfügen, besorgt der KV Pinneberg deshalb auch mal Bahntickets. Und auch für Mitglieder, die sich ein Hotel oder eine Pension nicht leisten können oder lieber privat unterkommen findet sich eigentlich immer ein Zimmer und ein Bett.

In den vier Jahren sind sich die Grünen der Kreise in Ost und West nähergekommen. Schließlich gibt es viele Gemeinsamkeiten. Beide Kreise befinden sich in der Nähe von Großstädten, beide sind ländlich geprägt und beide Kreisverbände haben in den vergangenen Jahren starke Zuwächse verzeichnen können – auch, wenn die Unterschiede in absoluten Zahlen groß sind. Während der Kreis Pinneberg 325.000 Einwohner und derzeit etwa 800 grüne Mitglieder zu verzeichnen hat, sind es im Saalekreis 182.000 Einwohner und nur etwas über 70 Grüne. 

Quelle: privat

Im vergangenen Oktober war der der Kreisverband Saalekreis mal wieder zu Gast in Schleswig-Holstein. Längst sind über das parteiinterne Austauschprogramm Freundschaften entstanden.

Bündnis 90/Die Grünen hat in ganz Sachsen-Anhalt nur 1800 Mitglieder. Das sind für ein ganzes Bundesland nur unwesentlich weniger als es Grüne im nahegelegenen sächsischen Leipzig gibt. Da kann Unterstützung von außen natürlich nicht schaden. „Wir schaffen das mit dem Plakate-Aufhängen sonst einfach nicht – gerade in einem Flächenlandkreis mit großen Entfernungen“, sagt Susanne Otto. Das Plakatieren im Wahlkampf dürfe man auf keinen Fall unterschätzen. „Durch die Wahlplakate wird sichtbar, dass du nicht allein bist und es durchaus Alternativen zur omnipräsenten AfD gibt“, meint auch Nadine Mai. 

Das Gefühl, der AfD nicht das Feld überlassen zu wollen, haben gerade viele. So begegnet Susanne Otto immer mehr Menschen, die sich politisch engagieren wollen: „Gerade auch Ältere wollen Gesicht zeigen.“ Aber man müsse in ihrer Region schon Mut und eine dicke Haut haben, um als Grüne oder Grüner Farbe zu bekennen. „Wahlkampf hier ist kräftezehrend.“ 

Natürlich gibt es Leute in ihrem Kreis, sagt Nadine Mai, die Bedenken haben, in eine rechte Hochburg zu fahren. Manche von ihnen würden die Partnerschaft deshalb lieber finanziell als durch persönlichen Einsatz unterstützen. Auch das ist  wichtig. „Gerade mitgliederschwache Kreisverbände brauchen Geld“, sagt Nadine Mai. 

Für den kommenden Wahlkampf bekommt der KV im Saalekreis aber nicht nur Hilfe aus Pinneberg, sondern auf allen möglichen Ebenen und von allen möglichen Seiten. Unterstützer*innen aus Sachsen, Thüringen und dem ganzen Bundesgebiet werden an die Saale kommen. Und viele grüne Landes- und Bundespolitikern haben auch schon ihren Besuch angekündigt. „Entscheidend ist jetzt, dass die Grünen in den Landtag kämen, um einen Durchmarsch der AfD zu verhindern“, sagt Susanne Otto.

Aber auch über den Wahltag hinaus bleibt die KV-Partnerschaft mit Pinneberg etwas ganz Besonderes. Durch den regelmäßigen Kontakt lernen sich Grüne auch langfristig kennen. Man versteht die Besonderheiten und die Lebensumstände der Partnerregion besser. Grüne Mitglieder besuchen und unterstützen einander längst auch außerhalb der offiziellen Veranstaltungsformate – auf Basis persönlicher Verbindungen und Freundschaften, die durch die Partnerschaft entstanden sind. „Das läuft inzwischen von selbst“, sagt Nadine Mai, „und fühlt sich trotzdem an wie ein Aufbruch.“ 

Gemeinsam stark: KV-Partner gesucht!

KV-Partnerschaften stärken die Zusammenarbeit in der Partei. Von Kreisverband zu Kreisverband könnte ihr euch politisch, organisatorisch und auch finanziell unterstützen und austauschen.

So geht’s: Wendet euch an euren Landesverband und nehmt direkt Kontakt zu möglichen Partner-Kreisverbänden auf. Unsere Erfahrung ist: Alle Kreisverbände freuen sich über aktive Mitstreiter*innen und neue Impulse. Lasst uns zusammen mehr bewegen!

Bei Fragen wendet euch ans Team Freiwilligenmanagement:
kv-partnerschaften@gruene.de. Ausführliche Informationen findet ihr auch im Wissenswerk.

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