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Fotografisches Gedächtnis

Das Verschwinden der legendären Sternbrücke, die Black-Lives-Matter-Proteste oder der Kampf um einen 60 Jahre alten Pionierwald in Hamburg-Wilhelmsburg: Auf der digitalen Plattform „Photo Archive Hamburg“ sind ausgewählte Fotoprojekte zu sehen, die neue Blickwinkel auf die Vielfalt des Lebens in der Stadt eröffnen. Die Plattform bewahrt das visuelle Gedächtnis Hamburgs – und ist zugleich ein Plädoyer für ein solidarisches Miteinander.

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Lesezeit: 5 Minuten

So sehen auch Hamburger Hamburg selten: Harburg im dichten Nebel. Porträts von Menschen in der Spaldingstraße, einem Zwischen-Ort, an den sich niemand zufällig verirrt. Oder Brambek-Nord, das gerade rasend schnell gentrifiziert wird. „Es geht darum, neue und andere Perspektiven auf die Stadt sichtbar zu machen“, sagt Alexander Hagmann, der das Projekt „Photo Archive Hamburg“ mit Unterstützung des Freundeskreises des Hauses der Photographie im vergangenen Jahr an den Start brachte.

Als Blaupause für die Plattform aus Hamburg für Hamburg diente das „Pixelprojekt Ruhrgebiet“, das sich ebenfalls als visuelles Gedächtnis der Region versteht. Hagmann, der sich als „Auch-Fotograf“ bezeichnet, war erstaunt über das große Interesse. 66 Fotograf*innen reichten ihre Arbeiten ein. 34 davon sind jetzt nach der Entscheidung eines Beirats in dem digitalen Schaufenster ausgestellt. „Wir haben dabei nicht nur nach der fotografischen Qualität, sondern auch nach zeitgeschichtlicher Relevanz entschieden“, sagt Hagmann. Viele Arbeiten zeigen Bauten oder Menschen, die nicht mehr existieren, aber das Leben in der Stadt dennoch geprägt haben. Es geht um Veränderung, Protest, um Subkultur und Räume, die nicht für jeden zugänglich sind.

Das „Photo Archive Hamburg“ hat eine Tür aufgestoßen. Eine Tür, hinter der man Hamburg neu und anders wahrnehmen kann. Eine Tür auch für die Fotograf*innen vor Ort, um sich zu vernetzen und ihre Arbeiten einem größeren Publikum zu zeigen. Und eine Tür für Nachfolgeprojekte wie Ausstellungen oder Screenings von Fotoarbeiten. Noch ist das Projekt im Anfangsstadium. „Das visuelle Gedächtnis soll organisch wachsen und sich entwickeln“, hofft Hagmann.

Das „Photo Archive Hamburg“ gibt es seit Ende 2025. Einreichungen sind jederzeit möglich. Ein- bis zweimal im Jahr entscheidet ein Beirat, welche Projekte in dem digitalen Schaufenster ausgestellt werden. Die Arbeiten der Fotograf*innen und Infos zum Projekt seht ihr hier.

Leerer Himmel: Eine Stadt ohne Vögel? In ihrem vierteiligen Fotoprojekt „Der leere Himmel“ beschäftigt sich Valérie Wagner mit dem Vogelsterben. Nicht nur ein ökologisch, sondern auch ein gesellschaftlich relevantes Thema.

Black Lives Matter: Die Protestwelle aus den USA bricht sich in Hamburg, wo man institutionellen Rassismus und Polizeigewalt aus eigener Erfahrung kennt. O-Young Kwon hat im Jahr 2020 die größten antirassistischen Proteste seit Jahren dokumentiert.

Safe Spaces: Altay Tuz ermöglicht in seinem Fotoprojekt „Members only“ Blicke in die Rückzugsräume der türkischen Community in Hamburg. Die ersten Migranten kamen vor über 60 Jahren auf Einladung der Bundesregierung.

Randexistenz: Brachen, Industriebauten, Verkehrsflächen: Der Fotograf Jens Windolf zeigt die funktionelle Erschöpfung von Stadtrandgebieten wie Hamburg-Harburg. Der Nebel dient dabei als Allegorie für die Unfassbarkeit dieser städtischen Räume.

Legendenstatus: Der Abriss der Sternbrücke ist ein Symptom eines tiefgreifenden Wandels in Altona. Axel Beyer hat mit seinem Fotoprojekt dem legendären Bauwerk und seinem einst so lebendigen Umfeld ein Denkmal gesetzt.

Menschen einer Straße: Die Hamburger Spaldingstraße ist ein gesichtsloser Ort. Deshalb fokussiert sich Julia Knop in ihrer Porträtserie auf die Menschen, die diesen abgelegenen Ort passieren. Sichtbar wird ein Mikrokosmos der Vielfalt.

Konfliktlinien: Seit 2021 dokumentiert Timo Knorr den Kampf um den 60 Jahre alten Pionierwald in Hamburg-Wilhelmsdorf. Die Waldbesetzer*innen wollen verhindern, dass dieses Stück Natur einem Bauprojekt weichen muss.

Die Welt von gestern: Hamburg-Barmbek Nord wird gerade von Investoren wiederentdeckt. Dem rasanten Wandel im Großen und Kleinen begegnet die Fotografin Gretje Treiber mit großer Skepsis. Ihre Idee von dem Viertel ist wohl schon gestrig, fürchtet sie.

Für eine lebenswerte, weltoffene und solidarische Stadt setzen sich auch die Grünen Hamburg ein. Ihr habt Ideen und wollt euch einbringen? Infos und Kontakt findet ihr hier.

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