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„Fuchsman“ gewinnt

Drei grüne Künstlerinnen aus Münster setzen im Wahlkampf ein Zeichen gegen Hass, Hetze – und gegen Vandalismus. Wahlplakate, die zerrissen oder beschmiert wurden, übermalten sie mit fröhlichen Bild-Botschaften. Ihre Kreationen entwickelten sich im Bundestags- und Kommunalwahlkampf zu den Lieblingen der Passanten. Nachahmung dringend empfohlen! 

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Lesezeit: 2 Minute

Wahlkampf – das ist nicht immer die Zeit größter Herzlichkeit. Den Ton setzen manchmal auch polarisierende Reden, aggressive Hetzposts oder verunstaltete Wahlplakate. Dem wollten Maike Denker, Christine Nippoldt und Cathy Ionescu, drei grüne Künstlerinnen aus Münster, etwas entgegensetzen. Vor der letzten Bundestagswahl zogen sie mit ausgedruckten Sprüchen los, um die ärgsten Verunglimpfungen zu überkleben. Farbreste und alte Pinsel aus ihren Ateliers hatten sie ebenfalls im Gepäck, eher als Notreserve. Doch dann standen sie vor einem Großplakat der grünen Direktkandidatin Sylvia Rietenberg. Über dem Mund hatte jemand ein großes Loch hineingerissen. Mit Überkleben war hier nicht viel auszurichten. Also fingen sie an, zu malen: einen Eisbären, der Rietenberg umarmt und seine Pranke über die kaputte Stelle legt. Daneben der Text: Danke, Sylvia!

„Wir wollten nicht nur irgendetwas malen. Wir wollten eine neue Message setzen“, erklärt Maike Denker. Die Aktion schlug Wellen, noch ehe die Farbe getrocknet war. „Passanten blieben stehen, lachten und waren begeistert“, erinnert sich Christine Nippoldt. Bald rückten die Künstlerinnen, die alle ein Studium im Bereich Grafik, Design oder visuelle Kommunikation absolviert haben, wieder aus: Auch ein zerstörtes Plakat von Robert Habeck bekam einen wertschätzenden Eisbären. Für ein Großplakat Rietenbergs, bei dem nur noch ein Auge heil geblieben war, trommelten sie Familien und Freunde zusammen und schufen ein buntes Bild mit Eisbär, Windrädern,  vielen Herzen – und dem Spruch: Wählt Liebe.

Im Kommunalwahlkampf im Herbst 2025 gab es eine weitere, großangelegte Malaktion: Aus einem übersprühten Porträt des grünen Oberbürgermeister-Kandidaten Tilman Fuchs wurde ein die Welt rettender „Fuchsman“. „Wir hatten nicht nur Freude, sondern auch das gute Gefühl von Selbstwirksamkeit“, sagt Maike Denker. „Das kommt einem in Zeiten wie diesen ja sonst gerne abhanden.“ Auch bei den Passanten kam die Botschaft offenbar an: Kein einziges der kreativ übermalten Plakate wurde zerstört. Auf Social Media bekam die Aktion ebenfalls viel Zuspruch – dank der Zeitraffer-Videos, mit denen die Künstlerinnen die Aktionen dokumentierten.

Inzwischen erhalten die drei auch Anfragen aus anderen Städten. Die können sie allerdings aus beruflichen und familiären Gründen nicht annehmen. Aber sie empfehlen ihre Aktionen dringend zur Nachahmung.

Dafür nötig sind:

  • Ein grober Plan, wie das übermalte Plakat gestaltet sein soll
  • Kleine und große Helfer*innen
  • Alte Pinsel, Acrylfarben oder Abtönfarbe (keine Sprühfarben – der Umgang mit ihnen braucht Übung)
  • Abdeckplanen für den Untergrund rund um das Plakat
  • Ein paar Leitern
  • Schraubgläser mit Wasser
  • Sehr viel Küchenrolle

Außerdem ist es wichtig, den Kreisverband zu informieren, damit das neu gestaltete Plakat nicht überklebt wird.

Am Ende hatten die Künstlerinnen übrigens jedes Mal Grund zum Feiern: Die vom Eisbären umarmte Sylvia Rietenberg holte ein Direktmandat und zog in den Bundestag ein. Und „Fuchsman“ Tilman Fuchs ist heute der erste grüne Oberbürgermeister von Münster.

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