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Heizen nach Zahlen

Zwei grüne Klima- und Wärmewende-Profis aus dem Kreisverband Tübingen haben einen Online-Rechner entwickelt, der die Kosten der europäischen CO2-Abgabe für die Heizung in Häusern aller Art individuell auf 20 Jahre prognostizieren kann. Das Ergebnis: immer ein schlagendes Argument gegen Öl und Gas.

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Lesezeit: 2 Minuten

Quelle: privat

Klara Strohmaier und Hazar Colak haben viel Zeit und Herzblut in die Entwicklung des Online-Rechners investiert.

Die CO2-Abgabe soll die Energiewende durch den Geldbeutel beschleunigen. Bei einer ganz normalen Doppelhaushälfte in einem städtischen Vorort sieht das dann unterm Strich so aus: 23.641 Euro, so die Prognose, werden dafür in den kommenden 20 Jahren zusätzlich fällig, wenn die Heizung jährlich 2.500 Liter Öl verbrennt. Der Ölpreis selbst, der durch den Irankrieg gerade einmal mehr binnen kürzester Zeit sprunghaft nach oben schnellte, ist in dieser stattlichen Summe noch nicht enthalten. Wäre in der gleichen Doppelhaushälfte eine Luft-Wasser-Wärmepumpe installiert, schlüge sie beim CO₂-Preis im gleichen Zeitraum nur mit 857 Euro zu Buche. Befände sich auf dem Dach dazu noch eine kleine Photovoltaik-Anlage, zeigt der Rechner gerade einmal 53 Euro an – für den gesamten Zeitraum von 20 Jahren.

Geld ist ein überzeugendes Argument, um die eigene Heizung doch umzurüsten, fanden Hazar Colak (36) und Klara Strohmaier (22) vom Arbeitskreis Klima des Kreisverbands von Bündnis 90/Die Grünen in Tübingen. Sie beschlossen, die drohenden Kosten durch das politische Instrument der CO₂-Bepreisung transparent zu machen und einen Rechner dafür zu programmieren. Bis dato gab es keine Möglichkeit, solche Zahlen schnell und einfach ersichtlich zu machen – egal ob das zu beheizende Objekt eine Eigentumswohnung, ein Mietshaus, Rathaus oder Schwimmbad ist. „Nicht einmal Profis wie Energieberater*innen oder Heizungsfirmen konnten genaue Summen benennen“, berichtet Colak, der ein Ingenieurbüro mit Energieeffizienzexpertise führt. Er und Klara Strohmaier, die bei einer Klimaschutzagentur arbeitet, entwickelten deshalb die Idee, ihren CO2-Kostenrechner als Online-Tool zu programmieren. Wie viel ihrer Zeit das in Anspruch nehmen würde, ahnten beide zu dem Zeitpunkt nur vage.

Weit über 100 Stunden hatte allein Hazar Colak investiert, bis der Rechner dann vergangenen Oktober auf der Website der Tübinger Grünen online gehen konnte. Denn damit das Online-Tool rasch und unkompliziert für verschiedene Heizungsarten eine Prognose über die sich in den kommenden 20 Jahren aufsummierenden CO₂-Abgaben liefert, benötigt es Tausende von Zahlen – zur Entwicklung des CO₂-Preises selbst, zu den künftigen Anteilen erneuerbarer Energien im Strom-Mix, aber auch zu den CO₂-Verbrauchswerten verschiedener Heizungsanlagen in Abhängigkeit von deren Effizienz. Alle diese Daten mussten im Vorfeld in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen und in einer Excel-Tabelle für den CO₂-Kostenrechner aufbereitet werden. Jede gesetzliche Regelung, jede geplante Anhebung der Abgabe in den kommenden 20 Jahren findet darin ihren Niederschlag.

Fast ebenso viel Zeit kostete es, den Rechner auch als App verfügbar zu machen. Denn Klara Strohmaier und Hazar Colak wollten mit dem Angebot nicht nur im Baden-Württemberger Landtagswahlkampf grüne Klimapolitik untermauern. Ihr zusätzliches Ziel war, auch jenseits der Parteiarbeit einen fassbaren Beitrag zur Klimawende zu leisten. „Dank der App können Heizungsbauer*innen und Energieberater*innen den Rechner auf der eigenen Website anbieten. Ohne Parteilogo, die Zahlen sprechen schließlich für sich“, erklärt Colak.

Der Clou dabei ist: „Wir können den Rechner bei allen, die ihn geladen haben, ständig auf Stand halten, jede aktuelle Gesetzesänderung und Preisschwankung einarbeiten. Durch die App aktualisiert er sich automatisch.“ Und der Rechner zeigt allen, die in Heizungsfragen unsicher sind, überdeutlich, dass sich eine nicht-fossile Heizung nicht nur aufs Klima äußerst positiv auswirkt, sondern auch auf den eigenen Geldbeutel. Der Bedarf nach gesicherten Zahlen scheint groß. Gleich im ersten Monat nach Veröffentlichung auf der Webseite wurde das Tool von über 1.300 User*innen genutzt. Jetzt wollen Hazar Colak und Klara Strohmaier ihren Rechner über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machen, damit sich möglichst viele Menschen bei der Umrüstung ihrer Heizung an Zahlen und Fakten orientieren können. Und die sprechen eine eindeutige Sprache.

Wer das Angebot nutzen und vielleicht sogar in die Website seines Kreisverbands einbinden möchte, findet hier den CO₂-Kostenrechner.

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