Klarer Kurs an der Ostsee
Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Die Grünen gehen mit Claudia Müller in den Wahlkampf. Eine große Verantwortung für die 45-Jährige, schließlich kann das Abschneiden der Grünen angesichts der Umfragewerte der AfD von historischer Bedeutung sein. Die Betriebswirtin, Bundestagsabgeordnete und Mutter von zwei Kindern stellt dem Rechtsruck eine positive, vorwärtsgewandte Vision entgegen.
- Redaktion
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Quelle: Thomas Mandt
Küstenbewohnerin, Mutter, Politikerin: Claudia Müller ist Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
Der Barther Bodden ist eine Lagune zwischen der Halbinsel Zingst und dem Festland in Nordvorpommern. Ein Paradies für Naturfreunde und einer der wichtigsten Rastplätze für Kraniche in Mitteleuropa. Am südlichen Ufer des Boddens liegt die Kleinstadt Barth. Und in einem kleinen Dorf nahe Barth lebt Claudia Müller.
Die Mutter von zwei Kindern kennt die Herausforderungen der Menschen, die auf dem Land leben, den Frust, wenn kein Bus fährt und der Weg zur nächsten Ärztin oder dem nächsten Arzt weit ist. Sie hat aber auch über das ländliche Mecklenburg-Vorpommern hinaus schon viel gesehen und erlebt.
Müller wurde 1981 in Rostock geboren und ist dort zur Schule gegangen, sie studierte in Stralsund „International Management Studies in the Baltic Sea Region“, ein BWL-Studium mit besonderem Fokus auf den Ostseeraum. Sie lebte zeitweise in den USA und in Norwegen. Doch MV und die Ostsee, das blieb immer ihr Zuhause.
Auch wenn sie in den vergangenen neun Jahren sehr viel Zeit in Berlin verbrachte: Seit 2017 ist sie Mitglied des deutschen Bundestags und derzeit die einzige grüne Abgeordnete dort, die aus Mecklenburg-Vorpommern stammt. „Das ganze Bundesland ist für mich wie mein Wahlkreis“, sagt sie. Erfahrung hat sie nicht nur in der parlamentarischen Arbeit gesammelt, sondern auch in der Regierung: Sie war Koordinatorin der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Staatssekretärin in gleich zwei Bundesministerien (Ernährung und Landwirtschaft, Bildung und Forschung).
Mit all diesen Erfahrungen im Gepäck startet sie nun durch in den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. Und mit einer klaren Ansage: „Wenn wir wieder in den Landtag einziehen, ziehen Faschisten nicht in die Staatskanzlei.“ Fünf Prozent, das ist das erklärte Ziel der Grünen. Sobald Grüne im Landtag sind, ist es für die AfD praktisch unmöglich, allein zu regieren. Wie das gelingen kann – das verrät Claudia Müller in unserem Steckbrief.
Quelle: Mathias Kisling
„MV hat gewaltiges Potenzial. Hier kann man echt was machen.“ Claudia Müller beim Ostkongress der Grünen in Sassnitz auf Rügen.
Darum ist Grün so wichtig für MV:
Nur mit uns Bündnisgrünen geht es nach vorne hier in MV. Nur mit uns gibt es Natur- und Klimaschutz. Nur mit uns gibt es eine stabile demokratische Mehrheit im Landtag.
Die Fünf-Prozent-Hürde schaffen wir, weil …
… wir in den nächsten Wochen mit vielen engagierten Mitgliedern einen großartigen Wahlkampf hinlegen werden.
Das bewegt die Menschen hier:
Bezahlbarkeit ist ein riesiges Thema in MV. Aber auch Wirtschaft und Bildung, schlechte Anbindung an den ÖPNV, Klima- und Naturschutz.
Mich motiviert:
MV hat gewaltiges Potenzial. Für erneuerbare Energien etwa, für naturnahen Tourismus, für Innovation und Zukunftstechnologien. Doch das Potenzial wird noch viel zu wenig genutzt. Hier kann man echt was machen!
Lieber Berlin oder Schwerin?
Alles hat seine Zeit. Jetzt ist Schwerin dran.
Neun Jahre im Bundestag haben mich gelehrt, …
… dass es keine einfachen Antworten gibt. Wenn jemand behauptet, er oder sie hätte sie, lügt die Person dich entweder an oder hat keine Ahnung.
Am Meer aufzuwachsen, war für mich …
… prägend. Ich kann nicht wirklich lange weit weg vom Meer leben. Die Ostsee ist Heimat für mich. Sie zu schützen ist eine Herzensangelegenheit.
Die Ostsee rettet man, indem …
… man an mehreren Punkten ansetzt. Zunächst müssen wir dringend die Überdüngung angehen, da momentan viel zu viele Nährstoffe in die Ostsee gelangen. Das bringt das empfindliche Ökosystem des Binnenmeeres aus der Balance und nimmt vielen Arten im Meer den Sauerstoff.
Die Werften und ihre Zulieferer in MV brauchen …
… Verlässlichkeit und damit Planungssicherheit. Umweltfreundliche Schifffahrt und innovative Produktion im Schiffbau sind nicht nur ökologisch wichtig, sondern halten Arbeitsplätze in MV. Das muss die Politik unterstützen.
Das Schicksal von Timmy, dem Wal, war für mich …
… vor allem nerviger Presserummel, der am eigentlichen Problem vorbeiging. Während sich der zuständige Minister Till Backhaus und viele andere als Walretter darstellten, ist unser heimischer Schweinswal akut vom Aussterben bedroht. Da dürfen wir nicht tatenlos zusehen. Wir müssen seine Lebensräume gezielt fördern und den Beifang durch naturgerechte Fangmethoden verringern.
Lieber Meer oder Moor?
Hauptsache beides kühl und nass! MV gehört zu den moorreichsten Bundesländern Deutschlands. Viele der Moore wurden trockengelegt. Deren Wiedervernässung ist konkreter Klimaschutz, weil sie CO2 speichern, und schafft neue Chancen, zum Beispiel durch den Anbau von Schilfrohr als Dämmstoff.
Die Klimaschutzpolitik der rot-roten Landesregierung ist …
… nicht da gewesen. Sie haben es sogar geschafft, das Klimaziel von Rot-Schwarz von 2040 auf 2045 nach hinten zu schieben. Ein Armutszeugnis.
Klimaschutz wird bezahlbar, wenn …
… man die Menschen daran beteiligt. Insgesamt sind Erneuerbare günstig in der Erzeugung. Wir wollen in MV Menschen, die ein Windrad oder einen Solarpark in ihrer Nähe haben, ganz unmittelbar entlasten, indem für sie die regionalen Netzentgelte entfallen. Unser „Erneuerbaren-Nachbarschaftsbonus“ senkt damit die Stromrechnung dieser Menschen um bis zu einem Viertel.
Als Mutter von zwei Kindern weiß ich, …
… wie wichtig Bildung ist. Wir Bündnisgrüne haben gerade noch einmal bekräftigt, dass es gute Bildung für alle Kinder braucht, egal ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben und egal ob sie reiche Eltern haben oder nicht. Wie das geht, haben wir in der Sassnitzer Erklärung dargelegt.
Junge Menschen bleiben in MV, wenn …
… man ihnen ein gutes Angebot macht. Wir Bündnisgrüne wollen daher Menschen, die in MV eine Ausbildung anfangen, 1.500 Euro als zinsloses Darlehen zahlen. Wer die Ausbildung abschließt und mindestens ein Jahr in MV als ausgebildete Fachkraft arbeitet, muss das Geld nicht zurückzahlen. Außerdem fordern wir ein kostenfreies Deutschlandticket für alle Menschen unter 27.
Vertrauen gewinnen die Grünen durch …
… gute Politik, die Probleme löst.
Eine AfD-Regierung in MV verhindert man, indem …
… man die Grünen wählt. Dann sind stabile Mehrheiten ohne Beteiligung der AfD möglich. Fünf Prozent Grüne bedeutet null Prozent AfD-Regierung.
Faschismus ist für mich …
… ein Auftrag. Ein Auftrag, dass Faschisten nie wieder Macht in diesem Land erringen dürfen.
Freiheit heißt für mich, …
… mich frei entfalten zu können, solange ich die Freiheit von niemandem sonst damit beschränke.
Mein Guilty Pleasure:
Ich esse wirklich gerne Fleisch.
Das bringt mich zum Lachen:
Die Verrücktheiten des Alltags.
Mein Lieblingsort in MV:
Der Darßwald. Er liegt in meinem Bundestagswahlkreis, am Weststrand der Halbinsel Darß, und ist Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Keine Siedlungen, urwüchsiger Urwald. Perfekt zum Durchatmen!
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